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Gericht/Institution:Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland
Erscheinungsdatum:03.11.2020
Quelle:juris Logo

Schnellere Kredite für Sozialunternehmen über Europäischen Fonds

 

Soziale Unternehmen in Deutschland, die an der Lösung drängender Probleme bei Bildung, Ernährung, Gesundheit und soziale Dienste arbeiten, können ihre Vorhaben über Bürgschaften des neuen Europäischen Fonds für soziale Innovation (ESIIFF) künftig leichter absichern.

In seiner ersten Finanzierungsrunde hat der Fonds bereits 4,5 Mio. Euro Kapital aufgenommen, bis Ende 2020 werden die ersten Darlehen an soziale Unternehmen vergeben. Durch die Verbindung von Investoren mit sozialen Unternehmen wird der Fonds die Finanzierungslücken schließen, mit der soziale Unternehmen häufig konfrontiert sind.

Der Europäische Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, Nicolas Schmit, erklärte: "Der Mehrwert von Sozialunternehmen ist klar, aber oft ist der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten das fehlende Bindeglied. Dieser durch die EU unterstützte Fonds wird Sozialunternehmen in ihrer Frühphase mit Investoren zusammenbringen, damit die Unternehmer ihre Ideen umsetzen können. Wir müssen weiterhin in die Sozialwirtschaft investieren, um Arbeitsplätze zu schaffen, das Leben der Menschen zu verbessern und die Resilienz unserer Gesellschaften zu stärken. Das ist im Kontext der aktuellen Krise wichtiger denn je."

Damit Sozialunternehmen innovative unternehmerische Lösungen entwickeln und umsetzen können, benötigen sie Zugang zu Wachstumskapital. Auch für Investoren bringt der European Social Innovation and Impact Fund (ESIIF) eine Innovation mit sich: Über eine Bürgschaft des European Investment Fund (EIF) erhalten diese eine Teilabsicherung ihres Investments. Die Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship (FASE), avesco Financial Services und der European Investment Fund (EIF) haben sich zusammengetan, um dies zu ermöglichen.

Durch die Bürgschaft des Europäischen Programms für Beschäftigung und soziale Innovation (EaSI-Bürgschaft), die die EU erstmals in Deutschland bereitstellt, werden Erstverluste aus Investitionen des ESIIF in Sozialunternehmen bis zu 3,2 Mio. Euro auf das gesamte Fonds-Zielvolumen von 20 Mio. Euro abgesichert. Die Bürgschaft wird die Finanzierung von Sozialunternehmen entscheidend verbessern und durch die Risikoabsicherung Investoren gewinnen, die sich bislang beim Impact Investing zurückgehalten haben.

Anleger können sich noch innerhalb der kommenden zwölf Monate am ESIIF beteiligen. Die Gespräche mit den ersten innovativen Sozialunternehmen sind bereits angelaufen. Der Fonds wird noch in 2020 das erste Mezzanine-Kapital in Form von Nachrangdarlehen an sozialunternehmerische Lösungen vergeben. Der ESIIF richtet sich ausschließlich an deutsche, professionelle und semiprofessionelle Investoren. Das Zielvolumen des Fonds beträgt 20 Mio Euro. und die Laufzeit zehn Jahre (mit zweimaliger Verlängerungsoption um je um ein Jahr bei Bedarf). Das breit diversifizierte Zielportfolio von ca. 60 Sozialunternehmen aus EU-Ländern wird sich generell auf ein breites Spektrum an Wirkungsfeldern wie Bildung, Umwelt, Gesundheit oder Zivilgesellschaft konzentrieren.

Hintergrund

Der Europäische Investitionsfonds (EIF) ist Teil der Europäischen Investitionsbank-Gruppe. Seine Kernaufgabe ist die europäischen Mikro-, Klein- und Mittelbetriebe (KMU) beim Zugang zu Finanzierungen zu unterstützen. Der EIF entwickelt und implementiert für diese Zielgruppe Venture- und Wachstumskapital sowie Garantie- und Mikrofinanzinstrumente. Damit fördert der EIF die Ziele der EU im Hinblick auf Innovation, Forschung und Entwicklung, Unternehmertum, Wachstum und Beschäftigung.

Mit dem Europäischen Programm für Beschäftigung und soziale Innovation (EaSI) unterstützt die EU im Zeitraum 2014-2020 die Mikrofinanz und die Finanzierung von Sozialunternehmen mit insgesamt 193 Mio. Euro. Ziel ist die Verbesserung des Zugangs zu Mikrokrediten, d.h. Darlehen bis zu 25.000 Euro, insbesondere für sozial schwache Personen und Kleinstunternehmen. Darüber hinaus unterstützt die EU erstmals auch Sozialunternehmen mit Investitionen von bis zu 500.000 Euro. Die Unterstützung für Mikrofinanz und soziales Unternehmertum erfolgt zunächst über die EaSI-Bürgschaft, die Mikrokreditanbieter und Anleger, die in Sozialunternehmen investieren, in die Lage versetzt, sich in Unternehmen zu engagieren, die sie ansonsten wegen des Risikos nicht hätten finanzieren können. Die EU hat den EIF für die Durchführung der EaSI-Bürgschaft gewählt.

Die Fondsinitiatorin FASE - Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship arbeitet seit mehr als sechs Jahren an der Finanzierung von Sozialunternehmen und das Wachstum sozialer Innovationen in Europa. FASE baut tragfähige Brücken zwischen außergewöhnlichen Sozialunternehmen und wirkungsorientierten Investoren, indem sie Sozialunternehmen umfassend zu Finanzierungsfragen berät, Investoren anspricht und Transaktionsprozesse strukturiert und begleitet. Zu den bisher von FASE mit Wachstumskapital unterstützten Projekten gehören z.B. die Förderung junger Menschen durch Onlineplattform für Peer-to-Peer Nachhilfe und Berufsorientierung oder innovative KI-Datenplattformen und robotikgestützte Therapie für Menschen mit Bewegungseinschränkungen.

Quelle: EU-Aktuell v. 03.11.2020



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