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Gericht/Institution:Saarländisches Ministerium für Bildung und Kultur
Erscheinungsdatum:16.06.2020
Quelle:juris Logo

Nach Sommerferien Regelbetrieb in saarländischen Schulen

 

Die saarländischen Schulen sollen im Regelbetrieb in das kommende Schuljahr 2020/21 starten.

Zum aktuellen Stand der Planungen berichtete Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot am 16.06.2020 vor der Landespressekonferenz. Streichert-Clivot hatte im Ministerrat der Landesregierung bereits am 09.06.2020 deutlich gemacht, im Interesse von Kindern, Jugendlichen und Familien nach den Sommerferien in den Regelbetrieb an den Schulen einsteigen zu wollen.

"Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung. Als Land stehen wir in der Verantwortung, dieses Recht auch einzulösen. Wir haben die Schulen am 13.03.2020 vorübergehend geschlossen, um die Verbreitung des Coronavirus‘ einzudämmen und eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern. Beide Ziele haben wir erreicht. Die Corona-Krise gefährdet die Bildungsgerechtigkeit im Land und erschwert die Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit – das ist offensichtlich. Sie wird aber auch eine Krise der Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen, dafür gibt es immer mehr Hinweise. Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen. Schule ist viel mehr als nur Lernort, Schule ist Lebensort. All das zeigt uns die Corona-Krise tagtäglich.", sagte Bildungsministerin Streichert-Clivot.

Keine Anpassung der Lehrpläne, sondern Eingrenzung der prüfungsrelevanten Lerninhalte

Die Wiederaufnahme des Regelbetriebs sei deshalb absolut im Interesse von Kindern, Jugendlichen und Familien. Wichtig sei dabei, dass es um einen Regelbetrieb geht, der unter Pandemie-Bedingungen organisiert wird. Gewisse Einschränkungen werde es also auch nach den Ferien noch geben müssen. Grundvoraussetzung für diesen Regelbetrieb sei, dass sich das Infektionsgeschehen weiter günstig entwickele und die Zahlen der Infektionserkrankungen niedrig bleiben. Davon gehe die Landesregierung und die Kultusministerkonferenz aktuell aus.

Pädagogisch werde es darum gehen, Lerninhalte, die jetzt zu kurz gekommen seien, nachzuholen und die derzeitige Corona-Phase aufzuarbeiten. Dabei habe man sich gegen eine Anpassung der Lehrpläne entschieden. Stattdessen werde man zu Beginn des neuen Schuljahres festlegen, welche Lerninhalte für die Schüler der Klassenstufen 9 und 10 sowie der Abiturjahrgänge nicht prüfungsrelevant sein werden.

Flexible Reaktionen bei Verdachtsfällen und Infektionen, neuer Rahmenplan und Musterhygieneplan Schule

Es werde jetzt geplant, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Der Regelbetrieb werde so ausgestaltet, dass im Fall einer Corona-Infektion an einer Schule flexible Reaktionen der Gesundheitsämter vor Ort möglich seien. Das heißt, Schule werde so organisiert, dass auch beim Auftreten einer Corona-Infektion in der Schule oder im Umfeld die Schule möglichst nicht geschlossen werden müsse. Es gehe darum, bestmöglich Planungssicherheit für alle Beteiligten zu ermöglichen. Für den schlimmsten Fall baue man aber auch mit der Option eines Rückfalls auf den aktuellen Wechselbetrieb mit Präsenzunterricht und Lernen von zuhause vor.

Das sei auch nach dem Dafürhalten der Virologen, Kinder- sowie der Jugendärzte eine dem Infektionsgeschehen angemessene Planung, mit der man sich im Rahmen der KMK-Beschlüsse bewege und für die die volle Unterstützung der gesamten Landesregierung gegeben sei.

Als Grundlagen für den Einstieg in den Regelbetrieb erarbeitet das Ministerium für Bildung und Kultur (MBK) derzeit einen Rahmenplan für alle Schulen und stimmt mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MSGFF) einen neuen Musterhygieneplan Schule ab. Mit dem Rahmenplan werde auch ein pädagogischer Rahmen mit angepassten Vorgaben, für das kommende Schuljahr abgesteckt werden, etwa zu Lerninhalten und zur Leistungsbewertung.

"Dabei beziehen wir selbstverständlich auch die Hauptpersonalräte, Gewerkschaften, Lehrkräfteorganisationen sowie die Eltern- und Schülervertretungen mit ein. Erste Gespräche haben bereits in der vergangenen Woche stattgefunden, parallel zu unseren Abstimmungen mit dem Gesundheitsministerium", so Streichert-Clivot.

Rahmen- und Musterhygieneplan sollen den Schulen noch vor den Sommerferien zur Verfügung gestellt werden, damit diese die nötigen schulorganisatorischen Vorbereitungen treffen können. Der Musterhygieneplan werde auf Basis der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse für den Schulbetrieb nach den Ferien aktualisiert und angepasst. Dazu stehen das MSGFF und das MBK im engen Austausch mit den Expert des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) sowie Kinder- und Jugendärzten.

Hygienemaßnahmen und Infektionsschutz im Regelbetrieb

Fest stehe, dass es die bisher geltenden Abstandsregelungen im Corona-Regelbetrieb nach den Ferien nicht mehr geben werde. Ein Regelbetrieb mit Abstandsregelungen sei überhaupt nicht denkbar. Eine allgemeine Maskenpflicht an den Schulen werde es ebenfalls nicht geben. Gegen eine solche Pflicht sprächen nicht nur pädagogische Gründe. Sie wäre im Hochsommer insbesondere für Kinder und Jugendliche eine nicht zumutbare Belastung. Der Regelbetrieb müsse kindgerecht sein. Ein freiwilliges Tragen der Masken stehe aber allen offen.

Wichtige und wirksame Hygieneregeln und -maßnahmen werde es aber natürlich weiter geben. Um die Nachvollziehbarkeit möglicher Infektionsketten zu erleichtern und zu verhindern, dass die Gesundheitsämter erneut ganze Schulstandorte schließen müssen, werde empfohlen, die Schüler nach Jahrgangsstufen in Gruppen aufzuteilen. Diese Gruppen sollen sich möglichst wenig durchmischen. Ausnahmen im Sinne der geltenden Stundentafel seien beim Fachunterricht möglich. Das sei ein flexiblerer Ansatz, mit dem wir berücksichtigen, dass Schüler auch in Alltagssituationen außerhalb der Schule Kontakt mit anderen Menschen haben – wie ihre Lehrkräfte auch.

Arbeits- und Gesundheitsschutz: individuelle Schutzkonzepte und niedrigschwelliger Zugang zu Corona-Tests

Klar sei, dass das Ministerium auch im Regelbetrieb in der Verantwortung stehe, den Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten sicherzustellen. Das sei sehr wichtig. Auch für sie habe man eine Fürsorgepflicht. Deshalb werde es für Lehrkräfte bei Bedarf individuelle Schutzkonzepte geben. Dazu werde das Tragen von für den Eigenschutz geeigneter Schutzkleidung, also insbesondere Masken für den Eigenschutz oder sog. Face-Shields, gehören. Damit Schulleitungen sinnvoll entscheiden könnten, welche Lehrkräfte sie im Präsenzunterricht einsetzen, werde künftig ein ärztliches Attest Grundlage und Voraussetzung für eine eventuelle Freistellung vom Präsenzunterricht sein. Eine fachlich-medizinische Beurteilung des persönlichen Schutzbedarfs gebe vulnerablen Lehrkräften mehr Sicherheit als die derzeitige pauschale Regelung, die auf den damaligen und jetzt veralteten RKI-Empfehlungen basiert.

Außerdem habe sich die Bildungsministerin für niedrigschwellige Angebote für Beschäftigte eingesetzt, sich auf Corona testen zu lassen. Lehrkräfte werden deshalb die Möglichkeit bekommen, freiwillig am Landestestprogramm teilzunehmen. Sollten Verdachtsfälle auftreten, werde die entsprechende Gruppe schnell getestet werden, damit Schüler sowie die Lehrkräfte zügig in den Präsenzunterricht zurückkehren könnten, erklärt Streichert-Clivot.

Corona-bedingte Lehrkräftereserve

Mit dem Nachtragshaushalt werde eine zusätzliche Corona-bedingte mobile Lehrkräftereserve mit bis zu 100 Vollzeitstellen geschaffen, um lokale Personalengpässe kurzfristig auffangen zu können. Für den Doppelhaushalt 2020/21 hat das MBK weiteren Personalbedarf angemeldet. In den nächsten Jahren werden rund 300 Lehrkräfte-Stellen mehr zur Verfügung stehen, als bisher geplant.

Es sei vollkommen klar, dass man darauf angewiesen sei, dass möglichst viele Lehrer, die aktuell nicht in Präsenz arbeiten, nach den Ferien wieder vor den Klassen in den Schulen unterrichten. Umso wichtiger seien gute individuelle Schutzkonzepte für vulnerable Lehrkräfte und eine fundierte ärztliche Abklärung des tatsächlichen persönlichen Risikos.

Quelle: Pressemitteilung des Saarländischen Ministeriums für Bildung und Kultur v. 16.06.2020



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