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Gericht/Institution:OLG Hamm
Erscheinungsdatum:06.05.2020
Entscheidungsdatum:07.09.2018
Aktenzeichen:7 UF 9/18
Quelle:juris Logo

Unbefristeter Unterhalt nach 20-jähriger Ehe

 

Das OLG Hamm hat entschieden, dass eine Frau, die während einer über 20 Jahre andauernden Ehe überwiegend für Kinder und Haushalt gesorgt hatte und die sich nach Abschluss einer Umschulung in der Bewerbungsphase befindet, einen Anspruch auf unbefristeten nachehelichen Unterhalt hat.

Das Ehepaar war rund 22 Jahre verheiratet. Vor der Heirat hatte die Frau ein Germanistikstudium abgeschlossen. Ihre anfänglichen Bewerbungen waren erfolglos geblieben. In der Ehe hatte sie sich hauptsächlich Haushalt und Kindern gewidmet und war daneben nur in Teilzeit oder ehrenamtlich tätig gewesen. Nach der Trennung absolvierte sie eine Umschulungsmaßnahme zur Sport- und Fitnesskauffrau. Das Ehepaar stritt zunächst um Höhe und Dauer der Unterhaltszahlungen.
Im Beschwerdeverfahren ging es dann im Wesentlichen um die Frage der Befristung des Unterhaltsanspruchs.

Das OLG Hamm hat der Frau unbefristeten Unterhalt zugesprochen.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts ist sie nicht in der Lage, ihren Bedarf aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Seit Abschluss der Umschulung befinde sie sich in der Bewerbungsphase. Ob ihre Bewerbungen Erfolg haben würden, sei ungewiss.

Fest stehe, dass die Frau einen ehebedingten Nachteil zu tragen habe, der relevant sei für die Frage des Unterhalts. Das OLG Hamm ist überzeugt, dass die Frau eine nachhaltige berufliche Perspektive entwickelt hätte, wenn sie nicht geheiratet hätte. Derzeit sei es u.a. aufgrund ihres für den allgemeinen Arbeitsmarkt bereits fortgeschrittenen Alters und der familiär bedingten langen beruflichen Abstinenz noch nicht sicher erkennbar, ob sie ihren Unterhalt durch eine eigene Berufstätigkeit werde sichern können. Daher sei eine Befristung des Unterhalts nicht möglich.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des DAV FamR 6/2020 v. 06.05.2020



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