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Gericht/Institution:Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
Erscheinungsdatum:04.05.2020
Quelle:juris Logo

Corona-Krise: vzbv holt Gutachten zur Stornierung von Pauschalreisen ein

 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat ein juristisches Gutachten von dem Reiserechtsexperten Prof. Klaus Tonner in Auftrag gegeben, mit dem bestätigt werde, dass Verbraucher kostenlos Auslands-Pauschalreisen stornieren können, die bis Ende August stattfinden sollen.

Sie könnten auch die Restzahlung für solche Reisen zurückhalten.

Dies gelte auch unabhängig von der globalen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die sich nur auf einen Zeitraum bis zum 14.06.2020 bezieht. Der vzbv begrüßt die Aussage des Gutachtens. Die Geschäftspraktik vieler Reiseanbieter, trotz Ansteckungsgefahr mit Covid-19 und Einschränkungen touristischer Infrastruktur in den Reiseländern, vier Wochen vor Reiseantritt die Zahlung der restlichen Rate zu verlangen, müsse sich nun ändern.

"Die Restzahlung zu verlangen, obwohl nicht sicher ist, dass Verbraucher überhaupt wie gebucht reisen können, ist nicht in Ordnung", so Klaus Müller, Vorstand des vzbv. "Der vzbv beobachtet Reiseveranstalter, die eine hohe restliche Rate fordern, aber die Reise kurz vor Abflug stornieren. Dann muss der Kunde sehen, wie er sein Geld zurückbekommt." Wie schwierig es aber ist, Vorauszahlungen zurückerstattet zu bekommen, zeigten zahlreiche Beschwerden über Reiseanbieter in den Verbraucherzentralen.

Um Klarheit zu schaffen und Verbrauchern eine Argumentationshilfe zu geben, hat der vzbv ein juristisches Gutachten vom Reiserechtsexperten Prof. Klaus Tonner in Auftrag gegeben. Zentrales Argument: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Umstände der Covid-19-Pandemie zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Reise führen. Das legten die bisherigen Pressemeldungen und Aussagen von hochrangigen Politikern wie etwa Bundesaußenminister Heiko Maaß oder dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder nahe. Mit einer Änderung dieser Umstände sei bis Ende August nicht zu rechnen (Stand 04.05.2020, vorbehaltlich weiterer gegenläufiger Meldungen).

Daher könne der Kunde kostenlos stornieren. Damit sei auch keine Restzahlung mehr zu leisten. Der Reiseveranstalter müsse die Anzahlung zurückerstatten. Kunden müssten demnach auch nicht darauf warten, dass der Reiseanbieter die Reise absagt. Wenn sie dennoch abwarten oder gleichwohl reisen wollten, müssten sie die Restzahlung erst dann leisten, wenn sicher sei, dass die Reise auch tatsächlich stattfinde.

Gegenüber dem Reiseanbieter müssten Verbraucher dann aber eine sog. Unsicherheitseinrede geltend machen. Es werde dringend empfohlen, sich hierfür an die Verbraucherzentralen vor Ort zu wenden oder sich rechtlichen Beistand zu suchen.

juris-Redaktion
Quelle: Newsletter des Verbraucherzentrale Bundesverbandes v. 04.05.2020



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