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Gericht/Institution:LG Berlin
Erscheinungsdatum:23.01.2020
Entscheidungsdatum:22.01.2020
Aktenzeichen:530 Ks 4/19
Quelle:juris Logo
Norm:§ 64 StGB

Lebenslange Freiheitsstrafen nach Schüssen aus Mordlust

 

Das LG Berlin hat zwei 30 beziehungsweise 40 Jahre alte Männer, die vor einem Campingplatz in Berlin-Neukölln die Freundin des 30-Jährigen aus Mordlust erschossen haben, zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten am 27.12.2018 gemeinschaftlich handelnd die Freundin des 30-Jährigen vor einem Campingplatz in Berlin-Neukölln ohne jeden Anlass mit einer zuvor entwendeten halbautomatischen Selbstladepistole erschossen haben. Die Angeklagten hätten zunächst aus dem Wohnwagen einer Bekannten die Waffe entwendet und sich dann entsprechend eines gemeinsam gefassten Tatplans zu der 25-jährigen Freundin des 30-jährigen Angeklagten begeben, die vor dem Campingplatz auf sie gewartet hatte. Der 40-Jährige habe die Waffe geladen und sie an den 30-Jährigen übergeben. Ohne Vorwarnung habe der 30-Jährige dann auf seine Freundin geschossen. Der erste Schuss habe den Arm der Geschädigten durchschlagen. Weil die Waffe Ladehemmungen gehabt habe, habe der 40-Jährige zunächst die Waffe erneut durchgeladen und dann wieder an seinen Mittäter übergeben, der seiner Freundin dann aus etwa zweieinhalb Metern Entfernung mit einem zweiten Schuss in den Hinterkopf geschossen habe.

Dabei sei es den Angeklagten einzig darum gegangen, einen Menschen sterben zu sehen. Damit hätte die Angeklagten das – eher seltene – Mordmerkmal der Mordlust verwirklicht. Weil das Opfer darüber hinaus auch nach dem ersten Schuss noch völlig arg- und wehrlos gewesen sei, sei auch das Merkmal der Heimtücke gegeben. Die Tat unterscheide sich in ihrer "Menschenverachtung und Abscheulichkeit" von anderen Tötungsdelikten noch deutlich.

Das LG Berlin hat die beiden Männer wegen Mordes aus Mordlust in Tateinheit mit Verstößen gegen das Waffengesetz jeweils zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt und jeweils ihre Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Nach Auffassung des Landgerichts sind die Angeklagten, obwohl sie bei der Tat alkoholisiert gewesen sind, als voll schuldfähig anzusehen. Darauf ließen u.a. sowohl das planvolle Vorgehen bei der Tat als auch das Nachtatverhalten schließen. Ihre Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei gemäß § 64 StGB dennoch erforderlich, weil beide von Rauschmitteln abhängig seien und die Gefahr bestehe, dass sie ohne Therapie infolge dieses Hanges weitere erhebliche rechtswidrige Taten begehen würden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann binnen einer Woche mit dem Rechtsmittel der Revision angefochten werden.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des KG Nr. 5/2020 v. 22.01.2020



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