Gericht/Institution:AG München
Erscheinungsdatum:10.02.2017
Entscheidungsdatum:26.10.2016
Aktenzeichen:132 C 16894/13
Quelle:juris Logo

Schmerzensgeld wegen mangelhafter Permanent-Make-Up-Behandlung

 

Das AG München hat entschieden, dass eine mangelhafte Permanent-Make-Up-Behandlung zu einem Schmerzensgeldanspruch führen kann.

Die Klägerin unterzog sich wiederholt bei der beklagten Fachkosmetikerin in deren Kosmetikstudio einer Permanent-Make-Up-Behandlung. Zu ersten Behandlungen kam es im Laufe des Jahres 2002. Hierbei wurde jeweils ein Lidstrich oben und unten gezogen. Im Jahr 2008 suchte die Klägerin die Beklagte erneut wegen des Permanent-Make-Up auf. Zu diesem Zeitpunkt war der untere Lidstrich verbreitert, die Klägerin wollte den Lidstrich unten verschmälern. Die Beklagte führte sodann Arbeiten zur Deckung des Lidstrichs mit einer Hauttonfarbe ("Vanille") durch, um den breiteren Lidstrich teilweise abzudecken und zu verschmälern. Im September 2010 kam es zu weiteren Behandlungen: Am 03.09.2010 begehrte die Klägerin erneut die Korrektur des unteren Lidstrichs, die Beklagte deckte dabei einen Teil des Lidstrichs mit "Vanille" ab. Am 25.09.2010 führte die Beklagte weitere Arbeiten aus, dieses Mal mit "Ivory"; es erfolgte eine schmale Nachzeichnung des Lidstrichs mit einem "Graphit/Marmor"-Gemisch, da der verbliebene Lidstrich zu blass erschien.
Die Klägerin ist der Meinung, die Beklagte hat ihre Leistungen nicht fachgerecht erbracht. Bei den Behandlungen im Jahr 2010 sei ein weißgelber Farbton am unteren Lidstrich entstanden, der entstellend sei, ferner seien die unteren Lidstriche asymmetrisch, da links unten deutlich dünner als rechts unten. Das Make-Up werde über Jahrzehnte verbleiben, es sei zu tief eingebracht worden. Die Klägerin fordert von der Beklagten Schmerzensgeld von mindestens 3.000 Euro und den Ersatz aller zukünftigen Schäden. Die Beklagte weigert sich zu zahlen. Sie meint, dass die Behandlungen korrekt erbracht worden sind.

Das AG München hat der Klage stattgegeben. Es hat der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.500 Euro zugesprochen und die Beklagte zum Ersatz aller zukünftigen Schäden, die aufgrund der Behandlungen im September 2010 entstehen, verurteilt.

Nach Auffassung des Amtsgerichts war die kosmetische Behandlung im Jahr 2010 mangelhaft. Zu dem Ergebnis ist die Sachverständige gekommen, die vom Gericht im Verfahren angehört wurde. Die Sachverständige habe im Rahmen der Begutachtung der Klägerin festgestellt, dass die Linienführung der rechten und linken unteren Lidstrich-Pigmentierung asymmetrisch sei, ferner, dass cremefarbene (weiß-gelbliche) Pigmente unterhalb der Lider teils unterhalb des grau-bläulichen Pigments, teils auf dem grau-bläulichen Pigment zu sehen seien. Eine ordnungsgemäße Arbeit, um das Farbpigment aufzuhellen, die Asymmetrie auszugleichen und die Linienführung schmäler wirken zu lassen, hätte die Abdeckung mit richtigen Hautfarbton-Varianten erfordert, Farbschicht auf Farbschicht, und sodann die Neutralisierung, d.h. Pigmentierung mit einer Gegenfarbe wie Honigblond, Kastanienbraun oder Terrakotta bis Orange; in diesem Fall wäre ein akzeptables Ergebnis möglich gewesen. Die Pigmentierung mit den Farben Vanille/Ivory und dem Pigmentgemisch Graphit/Marmor sei dagegen fehlerhaft gewesen. Hautfarben wie Marmor und Vanille würden über eine lange Verweildauer und starke Helligkeitswirkung verfügen und seien daher ungeeignet, um auf eine zu erhaltende Lidstrich-Pigmentierung angebracht zu werden; aufgrund des hohen Titandioxid-Anteils sei die Verweildauer lang und das Pigment in der Haut weiß-cremefarben zu erkennen. Derjenige, der sich einer solchen Prozedur unterziehe, willige zwar in die Körperverletzung ein; die Einwilligung sei dabei aber darauf bezogen, dass die Behandlung mangelfrei und nach den Regeln der Kunst erbracht werde.

Bei der Höhe des Schmerzensgeldes hat das Amtsgericht vor allem berücksichtigt, dass die Folgen der fehlerhaften Behandlung im Alltag stets sichtbar sind. Dabei ist allerdings anzumerken, dass das Amtsgericht anhand der vorliegenden, insbesondere der dem Sachverständigengutachten beigefügten Fotos nicht die Ansicht der Klagepartei teilt, dass die weiße Verfärbung und die Asymmetrie grob entstellend wirke.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des AG München v. 10.02.2017


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