Gericht/Institution:OLG Hamm
Erscheinungsdatum:25.01.2017
Entscheidungsdatum:05.04.2016
Aktenzeichen:9 U 77/15
Quelle:juris Logo

Haftung für nasse Tanzfläche

 

Das OLG Hamm hat entschieden, dass der Betreiber einer Diskothek für den Schaden haftet, der einem Gast durch einem Sturz auf der nassen Tanzfläche entstanden ist.

In der Nacht zum 01.01.2009 hielt sich die Klägerin in einer Bottroper Diskothek auf, um dort mit Freunden Silvester zu feiern. In den frühen Morgenstunden kam sie auf der Tanzfläche zu Fall und zog sich eine tiefe Schnittverletzung an der rechten Hand zu, die notfallmäßig versorgt werden musste. Sie behauptete, an ihrer Hand seien Nerven und eine Hauptarterie durchtrennt worden. Infolge ihrer Verletzung habe sie erhebliche gesundheitliche, auch psychische Beeinträchtigungen erlitten, für die die beklagte Betreiberin der Diskothek und ihre Geschäftsführer zu haften hätten. Von diesen hat sie Schadensersatz verlangt, u.a. ein Schmerzensgeld i.H.v. 200.000 Euro. Die Beklagten haben demgegenüber behauptet, die Klägerin sei alkoholisiert gewesen, habe ein Glas fallen lassen und sei dann unglücklicherweise in die Scherben ihres eigenen Glases gefallen.
Nach der Anhörung der Klägerin und der Vernehmung von Zeugen hatte das Landgericht dem Schadensersatzbegehren dem Grunde nach stattgegeben.

Die Berufung der Beklagten ist erfolglos geblieben: Das OLG Hamm hat das landgerichtliche Grundurteil nach einer ergänzenden Beweisaufnahme bestätigt.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts ist zwischen den Parteien unstreitig, dass sich die Klägerin bei einem Sturz auf der Tanzfläche eine gravierende Schnittverletzung an der rechten Hand zugezogen habe. Aufgrund der Zeugenaussagen und der Angaben der Klägerin sei das Gericht davon überzeugt, dass sich die Flüssigkeit, auf der die Klägerin ausgerutscht sei, als auch die Scherben, an den sie sich dann verletzt habe, bereits vor ihrem Sturz auf dem Boden befunden hätten und nicht etwa von einem von ihr selbst fallengelassenen Glas herrührten. Nach der von der Klägerin nachgewiesenen objektiven Pflichtverletzung sei es den Beklagten nicht gelungen, sich dahingehend zu entlasten, dass sie bzw. ihre Angestellten kein Verschulden an dem ordnungswidrigen Zustand der Tanzfläche getroffen hätte. Sie hätten weder ein Organisationsverschulden noch Mängel bei der Ausführung getroffener Organisationsanordnungen ausschließen können.

Von dem Anscheinsbeweis, der dafür spreche, dass sich die Pflichtverletzung auch im Unfall ausgewirkt habe, hätten sich die Beklagten ebenfalls nicht entlastet. Ein Mitverschulden der Klägerin am Unfallgeschehen hätten sie nicht beweisen können. Das begründe ihre volle Haftung, deren Umfang das Landgericht im Betragsverfahren zu klären habe.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des OLG Hamm v. 25.01.2017


Der ganze STAUDINGER Online.
Auf einen Klick.

Die Leuchtturmtitel des juris PartnerModul STAUDINGER Online

juris PartnerModul STAUDINGER Online powered by juris

partnered by Sellier | de Gruyter

Jetzt hier gratis testen!