- 19.02.2026
- Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft (ZBB)
Unternehmenskomplexität und Split Ratings
Split Ratings, bei denen sich verschiedene Ratingagenturen uneins sind in der Bonitätseinstufung eines Schuldners, erschweren Investoren die Bewertung von Fremdkapitaltiteln und können die Kreditkosten erhöhen. Deshalb ist ein Verständnis für die Ursachen von Split Ratings bedeutsam für das Verständnis der Preisbildung an Kreditmärkten. Die Studie untersucht, ob die Unternehmenskomplexität des Schuldners mit dem Auftreten und der Ausprägung von Split Ratings zusammenhängt. Auf Basis eines Datensatzes US-börsennotierter Unternehmen (1996 – 2021) werden Kreditratings der Agenturen S&P, Moody’s und Fitch mit dem textbasierten Komplexitätsmaß nach Loughran und McDonald (2024) sowie unternehmensspezifischen Kennzahlen verknüpft. Methodisch kommen logistische und ordinale Regressionsmodelle zum Einsatz, in denen vier Hypothesen (Auftreten, Differenz in Notches, Überschreiten der Investment-/Speculative-Grade-Schwelle, Zusammenhang mit zurückgezogenen Ratings) geprüft werden.
Die Ergebnisse zeigen zwar keinen signifikanten Einfluss der Komplexität in den 10-K-Berichten auf das Auftreten, die Höhe oder die Relevanzschwelle von Split Ratings. Aber die Nettodateigröße der 10-K-Berichte ist ein relevanter Prädiktor: Sie erhöht sowohl die Wahrscheinlichkeit von Split Ratings als auch deren Differenz. Je umfangreicher zentrale Unternehmensdokumente sind, desto eher kommen die bedeutendsten Ratingagenturen der Welt also zu unterschiedlichen Bonitätseinstufungen.
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