juris Nachrichten

  • Die wichtigsten Entscheidungen
  • Gesetzesentwicklungen und -vorhaben
  • Tagesaktuelle Auswahl der juris Redaktion

Die juris Nachrichten App jetzt gratis herunterladen

Login
Gericht/Institution:BT
Erscheinungsdatum:08.10.2020
Quelle:juris Logo

Corona bringt Geschäftsreisen zum Erliegen

 

Der dramatische Rückgang der Geschäftsreisetätigkeit durch die Coronakrise hat den Touristikstandort Deutschland im internationalen Vergleich weit überdurchschnittlich hart getroffen.

Dies liege daran, dass die heimische Reisebranche stärker als in den klassischen Urlaubsländern auf Kunden angewiesen sei, die aus beruflichen Gründen unterwegs sind, hieß es am 07.10.2020 in einer Expertenanhörung des Tourismusausschusses. Die Teilnehmer warnten, dass zahlreiche Betriebe und hunderttausende Beschäftigte in ihrer Existenz bedroht seien. Auch die Politik sei in der Verantwortung, den Mut zur Geschäftsreise wiederzubeleben. Nicht zuletzt die unterschiedlichen Corona-Regelungen der Bundesländer hätten verheerende Auswirkungen.

Der Präsident des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR), Christoph Carnier, zitierte aus der jährlichen Bestandsaufnahme seiner Organisation, der zufolge im Jahr 2019 in Deutschland 190 Mio. Geschäftsreisen stattgefunden haben. Allein deutsche Unternehmen und öffentliche Institutionen hätten dafür insgeamt 55,3 Mrd. Euro ausgegeben. Jetzt sei die Nachfrage "erlahmt". Neuerdings würden nach seinem Eindruck Geschäftsreisen "wieder zunehmend gestrichen", sagte Carnier. Sie seien unentbehrlich für den wirtschaftlichen Erfolg einer Exportnation wie Deutschland. Das im Geschäftsleben erforderliche Vertrauen entstehe nicht im digitalen Raum.

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), Petra Hedorfer, betonte, dass der beruflich veranlasste Reiseverkehr in Deutschland im vorigen Jahr zu 23% aus dem Ausland gekommen sei. Dabei hätten 16 Mio. Besucher einen Umsatz von 18 Mrd. Euro generiert. Reisende aus europäischen Nachbarländern, insgesamt 83%, hätten 10,5 Mrd. ausgegeben, die übrigen die vergleichsweise überproportionale Summe von 7,5 Mrd. Hedorfer nannte Corona für zahlreiche Betriebe "finanziell und strukturell existenzgefährdend". Es gebe zudem hunderte Städte, deren Tourismussektor zu mehr als 50% auf Geschäftsreisende angewiesen sei. Eine baldige Erholung sei nicht in Sicht. Prognosen zufolge werde der deutsche Urlaubsreisesektor 2023 wieder um 6% wachsen, während im Geschäftsreisesegment dann immer noch ein Viertel weniger an Umsatz erzielt werde.

Der Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), Markus Luthe, zitierte Zahlen des Statistischen Bundesamtes, denen zufolge die Branche allein in den ersten sieben Monaten des Jahres ein Umsatzminus von 45% und einen Übernachtungsrückgang von 42,2% zu verkraften hatte. Im August 2020 habe die durchschnittliche Zimmerauslastung der deutschen Hotellerie 38,9% betragen. Die Rentabilitätszone beginne erst bei 60%. Dennoch seien die Zimmerpreise nur um 5% gefallen, weil in dieser Krise auch mit Rabatten die Nachfrage nicht zu stimulieren sei. Von den überwiegend auf beruflich Reisende angewiesenen Betrieben rechneten 14,3% mit der Geschäftsaufgabe noch in diesem Herbst. Eine "dramatische Insolvenzwelle" stehe bevor.

Nach den Worten des Direktors des German Convention Bureau (GCB), Matthias Schultze, fanden im Jahr 2019 in Deutschland 423 Mio. Messen und Veranstaltungen statt. In diesem Jahr würden es voraussichtlich nicht mehr als 90 bis 100 sein, die allermeisten aus den ersten drei Monaten: "Uns fehlen 75% Nachfrage am Standort Deutschland."

Quelle: hib - heute im bundestag Nr. 1078 v. 07.10.2020



Zur Nachrichten-Übersichtsseite