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Gericht/Institution:EuGH
Erscheinungsdatum:27.02.2020
Aktenzeichen:C-649/18 A
Quelle:juris Logo

Schlussanträge zur Werbung für Online-Angebot von Arzneimitteln

 

Generalanwalt Henrik Saugmandsgaard Øe hat seine Schlussanträge zur Werbung ausländischer Apotheken für ihr Online-Angebot nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel sowie zu bestimmten Voraussetzungen für die Abwicklung von Bestellungen vorgelegt.

Eine niederländische Online-Apotheke, die auch in Frankreich über eine französische Internetseite nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel anbietet, wurde vor französischen Gerichten wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt. Ihr wird vorgeworfen, sie habe durch eine groß angelegte Werbekampagne (sowohl im Internet als auch über Werbeflyer), mit der sie auf Rabatte hingewiesen habe, gegen französisches Recht verstoßen. In Frankreich ist es nämlich verboten, (1) mit Vorgehensweisen und Mitteln, die als gegen die Würde des Berufs angesehen werden, Kunden anzuwerben, (2) Patienten zu einem missbräuchlichen Konsum von Arzneimitteln zu verleiten und (3) einen kostenpflichtigen Suchmaschinen-Verweis zu nutzen. Außerdem muss in den Vorgang der elektronischen Bestellung von Arzneimitteln ein Gesundheitsfragebogen aufgenommen werden. Die niederländische Online-Apotheke ist der Meinung, dass diese französischen Vorschriften auf sie nicht anwendbar seien, vielmehr unterliege sie allein den niederländischen Vorschriften, nach denen ihre Werbemaßnahmen zulässig seien.
Die Cour dʼappel de Paris möchte vom EuGH wissen, ob die Anwendung der französischen Vorschriften auf die niederländische Online-Apotheke mit dem Unionsrecht vereinbar ist.

Generalanwalt Saugmandsgaard Øe hat in seinen Schlussanträgen vom 27.02.2020 dem EuGH vorgeschlagen, die Fragen der Cour d’appel de Paris wie folgt zu beantworten:

1. Art. 34 AEUV [Verbot mengenmäßiger Einfuhrbeschränkungen sowie von Maßnahmen gleicher Wirkung] steht nicht der Regelung eines Mitgliedstaats entgegen, die Werbung für den Online-Verkauf von Arzneimitteln durch eine in einem anderen Mitgliedstaat ansässige Apotheke verbietet, welche darin besteht, dass in großem Umfang Werbeprospekte per Post versandt werden, gegebenenfalls indem sie Päckchen von Handelspartnern beigefügt werden, die Waren des täglichen Gebrauchs online verkaufen, und dass für einen bestimmten Betrag übersteigende Bestellungen Preisnachlässe angeboten werden, sofern eine solche Regelung erforderlich und verhältnismäßig ist, um die Würde des Apothekerberufs zu schützen, was das vorlegende Gericht zu prüfen hat.

2. Art. 3 Abs. 4 Buchst. b der Richtlinie 2000/31 [über den elektronischen Geschäftsverkehr] hindert den Mitgliedstaat, auf den ein Online-Angebot von Arzneimitteln ausgerichtet ist, daran, auf den in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Anbieter

- eine Regelung anzuwenden, wonach der Anbieter auf seiner Internetseite nicht mit Preisnachlässen für einen bestimmten Betrag übersteigende Bestellungen werben darf;

- eine Regelung anzuwenden, wonach kostenpflichtige Verweise auf Suchmaschinen und Preisvergleichsportalen nicht genutzt werden dürfen und

- eine Regelung anzuwenden, wonach der Anbieter die erste Arzneimittelbestellung eines Patienten über seine Internetseite nur abwickeln darf, wenn dieser einen Gesundheitsfragebogen ausgefüllt hat,

sofern der erste Mitgliedstaat seine Absicht, die in Rede stehende Regelung auf diesen Anbieter anzuwenden, dem zweiten Mitgliedstaat sowie der Europäischen Kommission nicht mitgeteilt hat, was das vorlegende Gericht zu überprüfen hat.

Sollten solche Regelungen mitgeteilt worden sein, hindert Art. 3 Abs. 4 Buchst. a der Richtlinie 2000/31 den betreffenden Mitgliedstaat nicht daran, sie auf einen in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Online-Anbieter von Arzneimitteln anzuwenden, vorausgesetzt, diese ist Anwendung geeignet und erforderlich, um die öffentliche Gesundheit zu schützen, was das vorlegende Gericht zu überprüfen hat.

Zu Antwort 1 führt der Generalanwalt u.a. aus, dass die Cour d’appel de Paris zu prüfen habe, ob die französischen Vorschriften dazu führen, dass Werbung per Post für das Online-Angebot von Arzneimitteln vollständig verboten ist. Sollte dem so sein, seien die hier in Rede stehenden Beschränkungen als Maßnahmen gleicher Wirkung i.S.v. Art. 34 AEUV zu qualifizieren und das vorlegende Gericht müsste prüfen, ob sie gleichwohl gerechtfertigt seien. Sollte hingegen kein vollständiges Verbot bestehen, könnte es sich um eine schlichte Verkaufsmodalität handeln, die nicht unter Art. 34 AEUV falle.

Was eine etwaige Rechtfertigung angelangt, vertritt der Generalanwalt die Ansicht, dass das Verbot, in großem Umfang an potenzielle Kunden Werbeprospekte zu versenden, die Angebote wie im vorliegenden Fall enthalten, als solches durch das Erfordernis gerechtfertigt erscheint, die Würde des Apothekerberufs zu schützen.

Zu Antwort 2 weist der Generalanwalt darauf hin, dass sich der Akte nicht entnehmen lässt, dass Frankreich der Kommission und den Niederlanden mitgeteilt habe, die streitigen Vorschriften auf A anzuwenden. Sollte die Cour d’appel de Paris dies bestätigen, müsste sie entscheiden, dass diese Vorschriften nicht auf A angewandt werden dürfen.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des EuGH v. 27.02.2020



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