Gericht/Institution:OLG Hamm
Erscheinungsdatum:25.01.2017
Entscheidungsdatum:04.11.2016
Aktenzeichen:9 U 135/15
Quelle:juris Logo

Kopfnuss unter Schülern als Bestrafung für "Hurensohn"

 

Das OLG Hamm hatte die zivilrechtliche Haftung für eine so genannte "Kopfnuss" unter Schülern zu klären.

Im Juni 2011 kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem seinerzeit 15 Jahre alten Kläger, einem Hauptschüler, und dem seinerzeit 17 Jahre alten Beklagten, einem Berufsschüler. Vorausgegangen war ein Chat der Schüler, in dem der Kläger den Beklagten u.a. als "Hurensohn" bezeichnet und der Beklagte ihm dafür eine Bestrafung angekündigt hatte. Am Tattage stellte der Beklagte den Kläger auf dem Heimweg von der Schule, um ihn in Anwesenheit von Schulkameraden körperlich zu bestrafen. In Zuge der Auseinandersetzung hielt der Beklagte den Kläger an den Handgelenken fest und versetzte ihm eine sog. "Kopfnuss". Durch diese erlitt der Kläger eine Fraktur der Stirnhöhlenvorderwand, eine Schädelprellung und eine Gehirnerschütterung. Aufgrund der schweren Kopfverletzung mussten ihm in zwei Operationen eine Metallplatte eingesetzt und entfernt werden, rezidivierende Kopfschmerzen verblieben als Dauerfolge.
Das LG Arnsberg hatte dem Kläger in erster Instanz unter Berücksichtigung eines ihm anzulastenden Mitverschuldens von 30% Schadensersatz zugesprochen, u.a. ein Schmerzensgeld i.H.v. 7.000 Euro.

Das OLG Hamm hat entschieden, dass dem Kläger kein Mitverschulden zuzurechnen sei und ihm ein Schmerzensgeld i.H.v. insgesamt 13.000 Euro zustehe.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts rechtfertigen die brutale Ausführung der vom Beklagten verübten vorsätzlichen Körperverletzung und ihre schweren Folgen das erhöhte Schmerzensgeld. Ein Mitverschulden sei auf Seiten des Klägers nicht zu berücksichtigen. Der Beklagte habe den Kläger am Tattage regelgerecht abgefangen, um ihn vor Zuschauern für die vorangegangenen Beleidigungen zu bestrafen. Der vorangegangene Chatverlauf zeige, dass der Kläger nicht annehmen konnte, einer körperlichen Auseinandersetzung mit einer Entschuldigung entgehen zu können. Gegen den geführten Angriff des Beklagten habe er sich in der konkreten Situation auch nicht verteidigen können.

Quelle: Pressemitteilung des OLG Hamm v. 24.01.2017


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